Schließung des hessischen Landgestüts abgewendet



Das Hessische Landgestüt Dillenburg ist zukunftsfähig und die dortige Pferdehaltung kann kein Grund für die geplante Schließung der Traditionsanlage sein – darüber sind sich die unabhängigen Gutachter und Sachverständigen Dr. Christiane Müller und Eckhard Hilker einig. Das verdeutlichten sie in einer Pressekonferenz in Dillenburg Anfang August. Der Pressekonferenz waren Gespräche vorausgegangen, an denen sich die Bundesvereinigung für Berufsreiter beteiligt hatte. Natürlich war bei der entscheidenden Konferenz auch der Vorsitzende Burkhard Jung anwesend.

Die Zukunft des Hessischen Landgestüts in Dillenburg ist in den vergangenen Wochen ein heiß diskutiertes Thema auf allen medialen Kanälen gewesen. Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz sah den Betrieb für das Land zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben als nicht mehr erforderlich an und nannte zudem als Schließungsgrund mangelnden Tierschutz.
Doch dem widersprachen zwei Gutachter, die auf einer Pressekonferenz ihre Ergebnisse der umfassenden Analyse vorstellten: „Es konnten keine Defizite in dem umfangreich erfassten Fragenkatalog festgestellt werden. Alle Bereiche, die den Alltag der Pferde betreffen, und die Pferde selbst, machten einen außerordentlich und überdurchschnittlich guten Eindruck.“
Doch es gebe auch Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel hinsichtlich der Öffnung der Einzelboxen zur Innenseite der Stallgasse oder aber die Schaffung von Fensterboxen im Hengststall. „Weitere Verbesserungen zum Angebot der freien Bewegung sind notwendig und auf den stallnahen Hofflächen möglich“, so der Gutachter weiter, wissend, dass das Gestüt mit allen Flächen und Gebäuden eine Größe von rund 35.500m² umfasst. Gerade einmal etwa 120.000 Euro müssten investiert werden, um die in den Leitlinien geforderten Flächen zu schaffen. Die Gutachter gingen sogar noch weiter und sagten: „Der Hessischen Landesreit- und Fahrschule und dem Hessischen Landgestüt Dillenburg kann es gelingen, einen innerstädtisch geführten Pferdebetrieb mit Vorbildfunktion zu schaffen.“
Am Ende waren sich alle Podiumsmitglieder einig: Das Hessische Landgestüt in Dillenburg kann auch in Zukunft bestehen und die Pferdehaltung kann keineswegs ein triftiger Grund für die geplante Schließung sein. Dieser Meinung ist auch der BBR-Vorsitzende Burkhard Jung: „Die Begründung für eine Schließung kann nicht das Tierwohl sein, denn die Pferde werden hervorragend gehalten und durch erfahrene und sehr gute Fachkräfte betreut. Die Abschaffung der Hengste könne zudem bedeuten, dass ein Auslauf nur in der Gruppe stattfinden könne. Was für Hengste ja nicht zutrifft. Die Hengsthaltung im Landgestüt Dillenburg ist jetzt schon vorbildlich mit der Option der Detailverbesserung.“

Mittlerweile haben Priska Hinz und die Stadt Dillenburg sich in einem Gespräch über die Zukunft des Gestüts und der Landesreit- und Fahrschule geeinigt: „Nach meiner Auffassung ist mit einer Verringerung des Tierbestandes und zusätzlichem Auslauf kurzfristig eine Verbesserung des Tierschutzes erreichbar“, lenkte Hinz anschließend ein. Die Pferdesportverbände begrüßen den Erhalt, sehen jedoch keinen Grund für eine Verringerung des Pferdebestands.
„Die Stadt Dillenburg freut sich über den Erhalt des Landgestüts“, so Bürgermeister Michael Lotz. Damit stimmte der Stadtverordnetenvorsteher Klaus-Achim Wendel überein und wies noch einmal auf die Bedeutung des Erhalts der Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hin und bot dem Land die Zusammenarbeit der städtischen Gremien bei den kommenden Prüfungen und der zeitnahen Realisierung der nun notwendigen Schritte an. Das sieht die Bundesvereinigung der Berufsreiter genauso. Sie hat es sich auf die Fahne geschrieben, weiterhin gemeinsam mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) um den Erhalt des Landgestüts und der wichtigen Ausbildungsstätte, der Reit- und Fahrschule, zu kämpfen.
Von Seiten der Pferdesportverbände kommentierte Robert Kuypers die Entscheidung: „Wir begrüßen den grundsätzlichen Erhalt des Landgestüts und der Landes Reit- und Fahrschule sehr, sehen jedoch keinen Grund für eine Reduzierung des Pferdebestands. Wie Eckhard Hilker in seinem Gutachten deutlich gemacht hat, wäre allein auf den vorhandenen Flächen leitliniengemäß freie Bewegung für weitaus mehr als 41 Pferde nachweisbar.“
Die Befürchtung, die sich dahinter verbergen, liegen auf der Hand: Wird zunächst das Gestüt mit der Hengsthaltung geschlossen, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis „still und leise“ auch die Reit- und Fahrschule geschlossen wird. Und das, „obwohl der Betrieb der Reit- und Fahrschule aufgrund der hohen Nachfrage an Lehrgängen und Unterricht sogar noch ausgeweitet werden könnte, was bisher aufgrund der zu geringen Zahl an Schulpferden nicht möglich war. Die Bundesvereinigung der Berufsreiter setzt sich natürlich auch weiterhin aktiv für die Erhaltung des Gestüts und für die der Hessischen Landesreit- und Fahrschule, einem wichtigen Ausbildungsbetrieb, ein. Doch dafür brauchen wir auch die Unterstützung unserer Mitglieder. Bitte unterschreiben Sie Petition.

Veranstaltungshinweis:
Die engagierte Bürgerinitiative „Die weiße Wand stellt sich vor die Dillenburger Hengste“ will mit einer außergewöhnlichen Veranstaltung den ersten Erfolg auf dem Weg zum Erhalt des Hessischen Landgestüts feiern. Dabei ist ein friedliches und unpolitisches Treffen aller bisherigen und neuen Unterstützer am Freitag, 1. September geplant. Alle Teilnehmer - ganz in weiß gekleidet - bilden symbolisch eine weiße Wand, die Zuchtbetrieb und Hengste in der traditionsreichen Einrichtung in der Wilhelmstraße schützen sollen. Mit einem beherzten Marsch durch die Berliner Straße über die Wilhelmstraße bis zum Hofgarten wollen die Veranstalter damit zum Ausdruck bringen, dass der Kampf um den Erhalt des Gestüts noch nicht zu Ende ist und man sich nachhaltig für die Aufrechterhaltung des Zuchtbetriebs einsetzt. Die Veranstaltung ist absolut friedlich und unpolitisch und findet wetterunabhängig statt. Teilnehmen kann jeder, der sich auch weiterhin für das Gestüt einsetzen und Flagge zeigen möchte. Auch Familien und Kinder sind gerne eingeladen, mitzumachen und sich ab 18 Uhr am Autohaus Hoppmann einzufinden.




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