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Zucht uns Sport Hand in Hand

Die von Thomas Casper und den Delegierten Ulrich Ruopp und Klaus Oehlschläger organisierte Veranstaltung fand am 14. Oktober 2017 bei herrlichem Wetter auf dem Gestüt Birkhof der Familie Casper in Donzdorf statt.
Katrin Burger, Zuchtexpertin und Grand – Prix – Ausbilderin referierte zum Thema Pferdebeurteilung vom Fohlen bis zum Reitpferd. Sie war neun Jahre als stellvertretende Zuchtleiterin beim Oldenburger Pferdezuchtverband tätig. Dieser hat nach einem zweijährigen Testlauf die lineare Beschreibung von Pferden in der Praxis umgesetzt.

In einer vergleichenden Darstellung hat Frau Burger die bisher üblichen bewertenden Systeme in der Exterieurbeurteilung angesprochen und in Abweichung dazu die Vorgehensweise bei der linearen Beschreibung umfassend dargestellt. Der bedeutendste Vorteil der linearen Beschreibung von Pferden ist die Möglichkeit biologische Extreme eines Merkmals zahlenmäßig erfassen zu können. Merkmale, die das Exterieur beschreiben sind Format und Vorderpferd, Oberlinie, Fundament, Korrektheit des Ganges und Koordination. Merkmale, die den Bewegungsablauf beschreiben sind Bewegung an der Hand, freie Bewegung und Bewegung unter dem Reiter. Die Erfassung erfolgt auf einer Skala von plus 3 des einen Extrems eines Merkmals bis minus 3 des anderen Extrems des gleichen Merkmals. Die „Normalausprägung“ entspricht i.d.R. der Zahl Null. Veranschaulicht hat Frau Burger ihren Vortrag durch Videosequenzen verschiedener Pferde und Bilder, z.T desselben Pferdes in unterschiedlichen Altersstufen, so dass auch die Entwicklung eines Pferdes mitverfolgt werden konnte.

Im Praxisteil wurde anschließend eine von Thomas Casper zusammengestellte Kollektion von Pferden unterschiedlichen Alters vom Birkhof - Team fachmännisch präsentiert und von Katrin Burger kommentiert: eine Stute mit Fohlen, ein Jährling, ein Jungpferd an der Hand und unter dem Sattel sowie ein Junghengst, der vor der Körung steht.
Damit gab es ausreichende Anregungen für interessante Gespräche während des gemeinsamen Mittagessens, welches von Pferdezuchtverband Baden-Württemberg gesponsert wurde.

Nach dem Mittagessen ging es zum Vortrag von Dr. med. vet. Karsten Zech. Dr. Zech ist Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin, Rinder- und Pferdegesundheit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er referierte zum Thema „Das Pferd im Fokus des Tierschutzes“, ein Thema welches derzeit in der Öffentlichkeit viel diskutiert wird.

Eindringlich appellierte der Referent an die anwesenden Profis das Thema ernst zu nehmen und nicht so zu tun, als sei man nicht betroffen. Die Beobachtung der Pferdesportler geschehe heutzutage professionell und häufig mit prominenter Unterstützung. Es seien falsch verstandene Freundschaftsdienste, wenn man dazu beitrage, Missstände zu vertuschen oder zu verharmlosen. Vielmehr gehe es darum, sich differenziert mit den in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfen auseinander zu setzen. Vorbildliches Verhalten gegenüber dem Geschöpf Pferd und bei der Ausübung des Pferdesports sei das beste Argument gegen die Anfeindungen von außerhalb.

Nicht nur die Akzeptanz von Mindestanforderungen, wie etwa der Möglichkeit des Pferdes sich täglich mehrere Stunden frei bewegen zu können, sondern bestmögliche Haltungsbedingungen würden von der Gesellschaft heutzutage gefordert. Anhand von Bildern machte Dr. Zech auf verschiedene Missstände in der Pferdehaltung aufmerksam und berief sich neben dem Tierschutzgesetz (§1 und §2) auch auf die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten. Darin sind Empfehlungen für die Betreuung und das Management von Pferden, die Haltung mit Angaben zu verschiedenen Haltungsformen sowie zur Gestaltung von Weiden und Ausläufen angegeben.
Bezüglich der Fütterung sprach Dr. Zech den Body Condition Score (BCS) an, der dazu dient den Ernährungszustand von Pferden zu bewerten.

Zum Abschluss gab es nach Kaffee und Kuchen eine Besichtigung des neuen Bewegungsstalls von Familie Casper. Thomas Casper, der für Innovation und Kreativität bekannt ist, stellte den Besuchern den neuen "Aktivstall - Waldenhof" in Ottenbach, der seit Anfang Oktober bezogen ist, vor. Das Stallkonzept des Pensionspferdebetriebs steht unter dem Motto „GENIESSEN und ENTSPANNEN“.
Die Pferde werden hier in zwei Gruppen gehalten, eine Gruppe in einem Offenstall mit getrennten Funktionsbereichen, die andere Gruppe in einem von Schauer - Active Horse Systems – konzeptionierten und technisch ausgerüsteten Aktivstall. Hier erfolgt die Fütterung der Pferde über Transponder, so dass jedes Pferd individuell mit vielen kleinen Portionen am Tag gefüttert werden kann und sich durch die Trennung der einzelnen Funktionsbereiche viel bewegt. Beide Gruppen verfügen über freien Zugang zur Weide.
Dass das formulierte Motto auf dem Betrieb auch gelebt wird, war sowohl bei den Menschen als auch bei den Pferden zu erkennen, es ist eine kleine Oase entstanden, in der man vom Alltagsstress abschalten kann.

Eine insgesamt sehr gelungene Veranstaltung, die verschiedene Aspekte der Pferdehaltung angesprochen hat und den Profis unterschiedliche Denkanstöße mit auf den Weg gegeben hat.

Dr. Andrea Pfirrmann / Roland Dörr